Interessantes Urteil zum Unterschied von Anlagevermögen und Umlaufvermögen beim Goldkauf

Dürfen Sie die Anschaffungskosten von Gold als Betriebsausgabe absetzen? Eine Antwort auf diese Frage hat das FG Hessen gegeben: Es kommt darauf an, ob das angeschaffte Gold Anlagevermögen oder Umlaufvermögen ist.

Entscheidend ist der Zweck der Gesellschaft

Sofern der Zweck einer Gesellschaft auf die Nutzung eines Portfolios von u.a. Gold ausgerichtet ist, können die Aufwendungen wie Anschaffungskosten abzugsfähige Betriebsausgaben bereits zum Zeitpunkt der Anschaffung darstellen.

Strittig ist die steuerliche Beurteilung des Kaufs und Verkaufs von physischem Gold. Die Klägerin, eine GmbH & Co. KG, kaufte im Jahr 2008 in mehreren Tranchen Gold und lagerte es in einer Bank in der Schweiz ein. Die Gesellschaft, die damals noch als GbR nach § 4 Abs. 3 EStG ihren Gewinn ermittelte, machte einen Betriebsausgabenabzug für die Anschaffungskosten geltend. Das Finanzamt bewertete das Gold allerdings als Anlagevermögen und korrigierte den Betriebsausgabenabzug entsprechend.

 

Das FG Hessen hat der Klage stattgegeben. Das erworbene Gold war kein Wirtschaftsgut des Anlagevermögens i.S.d. § 247 Abs. 2 HGB. Maßgeblich für die Zuordnung zum Anlagevermögen ist grundsätzlich die Funktion und wirtschaftliche Bedeutung, die dem Vermögen innerhalb des Betriebsorganismus zufällt. Für die Abgrenzung von Anlage- und Umlaufvermögen kommt es auf die Zweckbestimmung an, mit der ein Wirtschaftsgut im Betrieb eingesetzt wird (vgl. BFH, Urt. v. 13.12.2006 – VIII R 51/04 BStBl II 2008, 137, 139).

Der Gesellschaftszweck der Klägerin lag im Aufbau, in der Verwaltung und in der Nutzung eines Portfolios aus Edelmetallen, Rohstoffen und Wertpapieren. Für das FG Hessen war daher das angeschaffte Gold Umlaufvermögen.

Gleichzeitig handelt es sich beim Gold auch nicht um Wertpapiere oder vergleichbare nichtverbriefte Forderungen und Rechte i.S.d. § 4 Abs. 3 Satz 4 EStG. Die Richter verweisen insofern auf das damalige Gesetzgebungsverfahren und auf die Streichung eines entsprechenden Passus.

Hinweis:

Wertpapiergeschäfte sind regelmäßig der privaten Vermögensverwaltung zuzurechnen (vgl. BFH, Urt. v. 07.09.2004 – IX R 73/00, BFH/NV 2005, 51; Urt. v. 30.07.2003 – X R 7/99, BStBl II 2004, 408). Ob der Handel mit Rohstoffen wie Gold auch unter diese Rechtsprechung zu subsummieren ist, ließ das FG Hessen unbeantwortet.

 

FG Hessen vom 12.10.2016 – 9 K 372/16

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